Selbstgemachtes verkaufen: DIY als Beruf

Jenny Karl erzählt von ihren Erfahrungen als Selbstständige & ihrem neuen Ebook

Wenn du selbst häkelst oder strickst, hast du das bestimmt auch schon einmal für andere getan, oder? Und dann deine Unikate verschenkt – vielleicht sogar verkauft. Oder aber du schreibst deine kreativen Ideen nieder, damit andere deine Anleitungen nachhäkeln können? Dieser Beitrag ist für alle gedacht, die mit ihrer Do-It-Yourself Leidenschaft Geld verdienen wollen. Bloggerin Jenny Karl tut genau das und hat jetzt mitgewirkt bei der Entstehung des Ebooks „DIY – Selbstgemachtes verkaufen“ (kostenlos zum Download, Link im Beitrag) – heute ist sie bei uns im Interview.

Ihr Kreativunternehmen für und von Selbermachern „muckout“ hat Jenny gemeinsam mit Silvi gegründet. Dazu gehören Online-Shop sowie Shops auf verschiedenen Plattformen, Blog und Bastel-Workshops zu unterschiedlichen DIY-Themen und Kreativtechniken. Auf muckout.de findest du Selbstmach-Boxen (“mo-Boxen”), DIY-Material, handgemachte Dekorations-Artikel, Gutscheine und Workshop-Termine.

DIY-Bloggerin Jenny Karl im Interview

Liebe Jenny, wie seid ihr zum Thema Do-It-Yourself gekommen?

Wir beide haben eine Familie, in der so einiges selbstgemacht wurde. Zumindest haben wir uns beide angeeignet, Dinge einfach auszuprobieren und zu machen. Aus Fehlern lernt man schließlich.

Ich habe eine kleine Einrichtungs- und Umräum-Macke und liebe bunte Wände. Silvi war schon immer gern kreativ, auch wenn sie nie das eine Hobby hatte. Für ihre Bildserien hat sie eigene Accessoires gefertigt, um so ins Surreale abzudriften. In ihrer Wohnung hat sie auch immer gern Dingen einen neuen Look verpasst (sie sprüht mit Hingabe) oder kleine Dinge gebaut.

Seit wann betreibt ihr den Shop? Hättet ihr euch zu Beginn auch so eine Art Anleitung gewünscht, wie es das DIY E-Book jetzt ist?

Ich habe muckout als Einzelunternehmen schon während des Studiums 2015 gegründet. In verschiedenen Unterrichtsfächern (wie Businessplan, Mediendesign) wurde an der Geschäftsidee gearbeitet und da das Thema meiner Bachelorarbeit die “Entwicklung des Corporate Designs eines Online-Unternehmens” war, konnte ich muckout gleich als Anwendungsbeispiel nehmen – von der Geschäftsidee bin ich seitdem nicht mehr losgekommen.

Zum Glück lernte ich recht schnell Silvi kennen. Zusammen waren wir waghalsig genug und eröffneten unseren DaWanda-Shop und testeten den Verkauf erster Produkte. Zu der Zeit diente meine Küche als Büro, Werkstatt und Fotostudio. Im Januar 2016 wurde die Unternehmergesellschaft gegründet, um gleichberechtigte Partner und Gründerinnen des Unternehmens zu sein. Hochmotiviert zogen wir dann in unser schönes Büro in Kyritz (im Norden von Brandenburg) ein.

Als kleine Internetjunkies (nicht so abwegig, wenn man ein Online-Business aufbaut) haben wir uns natürlich viele Informationen aus dem Netz gezogen. Wenn man weiß, wonach man sucht, kann man sich so auch sehr viel aneignen und sich informieren. Allerdings war der Kontakt zur IHK auch sehr wichtig, weil ein Existenzgründerseminar und ein Development-Center große Hilfe bei der Planung einer Selbstständigkeit sind, sozusagen die Basis.

Wenn es dann um das Vermarkten und Präsentieren von Produkten und um alle rechtlichen Aspekte geht, kann man gar nicht genug lesen und mit Experten sprechen. Wir haben auch eine Vielzahl an Büchern und E-Books gelesen und es gab immer mal wieder gute und weniger hilfreiche Exemplare. Aber ein Grundgerüst wiederholt sich ja in den meisten Publikationen und man weiß schnell, an welchen Eckpfeilern man sich noch ausführlicher informieren muss.

Was war das wichtigste beim Aufbau eures Shops? Habt ihr Tipps für den Anfang?

Am wichtigsten ist eigentlich einfach loszulegen. Man sollte sich vorab unbedingt Gedanken um die Rechtstexte auf der Online-Plattform machen. Es ist gut, wenn man einen Rechtsanwalt zur Seite hat. Ansonsten können wir auch den Händlerbund empfehlen. Als Mitglied werden einem dort auf den Shop zugeschnittene Rechtstexte erstellt.

Ein anderes Thema ist das Einstellen der Produkte. Wichtig ist, dass diese sehr genau beschrieben werden und die Fotos eine gute Qualität aufweisen und somit auch die Qualität des Produktes widerspiegeln.

Ein paar anfängliche Schwierigkeiten hatten wir mit dem Versandprozess. Welche Verpackungen und welche Verpackungsgrößen benötige ich für welches Produkt? Mit welchem Dienstleister möchte ich versenden usw.?

Ein letzter guter Hinweis: Die Preiskalkulation für die einzelnen Produkte. Damit sollte man sich wirklich intensiv beschäftigen. Dazu gehören nicht nur die Material-, Herstellungs-, Personal-, Betriebskosten, sondern auch die Einstellungs- und Verkaufsgebühren, der Versand und das Verpackungsmaterial. Ein kleiner Gewinn sollte auch dabei sein.

Alle Tipps findest du im kostenlosen „Do It Yourself“ E-Book

Diese und viele weitere Tipps von Jenny findest du im kostenlosen Ratgeber „DIY Selbstgemachtes verkaufen“, an dem Jenny als Autorin mitgearbeitet hat.

Do It Yourself Selbstgemachtes verkaufen Ebook downloaden

 

Was habt ihr erst nach einiger Zeit gelernt, was euch von Anfang an sehr geholfen hätte?

In verschiedenen Online- und Printmedien haben wir gelesen: “Sich fokussieren und nicht zu viele Baustellen auf einmal anfangen”. Das in der Praxis umzusetzen ist wirklich nicht einfach. Man sprudelt nur so vor Ideen und will am liebsten alles auf einmal machen. Beginnen sollte man jedoch mit dem Produkt selbst, um es so schnell wie möglich verkaufen und Geld machen zu können. An allem anderen kann man nach und nach feilen.

Die Erstellung eines Businessplans ist auch so ein Thema. Ohne geht es nicht und er dient nicht nur als Überzeugungs-Medium für Geldgeber, sondern auch als Leitfaden für den Geschäftsaufbau. Wir selbst erwischen uns gern dabei, wie in unserem Kopf alles steht, wir uns mit dem Niederschreiben aber schwer tun. Der Businessplan wird auch nicht nur einmal geschrieben. Er sollte immer mit bearbeitet werden und mit dem Unternehmen wachsen.

Ein guter Rat, der uns selbst auch immer wieder gegeben wurde: Mit den Produkten rausgehen und mit Leuten sprechen. Klar, viele Leute haben viel zu sagen und einiges bringt einen vielleicht nicht wirklich weiter, aber neuer Input bringt frischen Wind ins Gehirn und hilft, aus dem Wald vor lauter Bäumen rauszukommen. Feedback von potenziellen Kunden ist wichtig für die Produkte und für den Unternehmer selbst. Man sollte unbedingt kritikfähig sein und selbst gut filtern können und: Kein Feedback persönlich nehmen!

 

Warum willst du andere beim Verkaufen von Selbstgemachten unterstützen? Keine Angst vor Konkurrenz?

Die Firmenphilosophie von muckout stützt sich auch auf das gemeinsame Selbermachen, so kreieren wir nicht zuletzt mit unseren Kunden Produkte für unsere Kunden. In den Workshops wollen wir Themen bearbeiten, auf die unsere Kunden Lust haben. Wir profitieren als Unternehmen sehr davon, nah an unseren Kunden zu sein und zusammen etwas Selber zumachen. Dazu gehört zum Beispiel auch sich im Social Media Bereich mit anderen zu vernetzen und sich gegenseitig zu pushen. Und ich bin mehr als dankbar, wenn ich Beispiele/ Erfahrungen/ Stories zu meinen “Problemen” lesen und daraus lernen und bestenfalls etwas besser machen kann.

Daher sind wir nur froh, wenn unsere Erfahrungen anderen Selbstständigen genauso helfen. Und durch das Internet ist das Teilen von Wissen sozusagen unendlich unausschöpfbar. Eine gewisse Angst vor Konkurrenz hat jeder, aber wenn man erst einmal selbst einen Shop oder ein Unternehmen aufgebaut hat, weiß man auch wie viel Arbeit darin steckt. Und Konkurrenz belebt das Geschäft.

Selber machen und DIY Produkte verkaufen

 

War es eine große Herausforderung, den Shop aufzubauen? Würdest du es wieder machen?

Verkaufsplattformen machen es einem als Verkäufer wirklich leicht, seine eigenen Produkte zu verkaufen und zu testen. Das Bewertungssystem ermöglicht Kundenfeedback und die Plattform zieht die richtige Zielgruppe an.

Sich einen eigenen Online-Shop aufzubauen sehe ich als viel größere Hürde. Abgesehen davon, dass dieser erst noch bekannt gemacht werden muss, kann die Entwicklung und Umsetzung des Shops bereits eine nicht zu unterschätzende Aufgabe darstellen.

Der muckout-Shop wurde vor kurzem erst gerelauncht, da wir uns nach einem Jahr Erfahrung entschlossen haben, ein anderes System zu nutzen und unsere gewünschten Funktionen mit einzubauen, die uns im Laufe der Zeit auf der alten Plattform einfach gefehlt haben. Hierbei sollte man sich wirklich einen guten Experten suchen, der einem auch die “dümmste” Frage gern beantwortet und einem neben der Programmierung mit Rat und Tat zur Seite steht.

 

Wie wichtig sind dir soziale Netzwerke/Blog für deinen Shop?

Dank der sozialen Netzwerke können Unternehmen schnell mit Kunden in Kontakt treten und äußerst kostengünstig für Produkte werben. Das Pflegen der Netzwerke nimmt allerdings auch sehr viel Zeit in Anspruch, sodass jeder für sich erst einmal herausfinden muss, welche Kanäle er bespielen will.

Genauso steht es mit einem Blog. Es gibt Menschen, die ausschließlich vom Bloggen leben, das zeigt auch, wie viel Zeit in einen Blog gesteckt werden kann und sollte.

Der muckout-Blog “mo-niversum” ist auch noch eine kleine Pflanze, die in nächster Zeit noch viel mehr Aufmerksamkeit erhalten soll. Denn der Blog kann Kunden in deinen Shop leiten und bietet die nötige Transparenz des Unternehmens, die sich viele Kunden heutzutage wünschen. Wir zeigen beispielsweise in welchen Projekten wir unsere angebotenen Materialien verwenden, dass wir also selbst testen, was wir verkaufen oder lassen unsere Kunden in den Arbeitsalltag von muckout schauen.

Zum Schluss: Was zeichnet eure selbstständige Arbeit aus, was macht sie besonders?

Wir lieben es, uns unsere Zeiten und Aufgaben selbst einzuteilen und nur Absprachen untereinander zu führen. Dadurch sind wir freier in der Arbeit und vor allem im Denken und stehen nur unter dem Druck, den wir uns selber machen. Der kann natürlich auch hart sein, aber wir wissen, dass wir für uns und unsere Kunden arbeiten. Und das mit Leidenschaft und vollem Herzblut. Und genau das spiegelt sich in unserem Unternehmen und unserem Angebot wider. DIY ist unser Hobby und unsere Arbeit. Und der ganze Medien- und Fotokram (den wir beide auch schon vorher gemacht haben) macht uns viel Spaß, weil wir Fotos, Content und Marketing für unsere eigenen Produkte erstellen und somit auch auf eine sehr persönliche Art und Weise auf unsere Kunden zugehen möchten.

Wir sagen vielen Dank für dieses spannende Interview!

Die wichtigsten Kanäle von Jenny & muckout findest du hier:

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Der Autor: Anna

Anna
Als Social Media Manager ist Anna den ganzen Tag im Web unterwegs. Dort begegnen ihr immer wieder neue Inspirationen, Trends und spannende Geschichten, die sie hier im Blog auch gerne mit euch teilen will.
gehäkelter Teddy

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  • Ich bin zufällig darauf gestoßen und für jede Information dankbar!
    Vielen Dank für das Interview und das eBook.

  • Danke für das Interview, liebe Anna.
    Es werden interessante Fakten angeschnitten. Ich schaue mir unbedingt das eBook an :-).